
Artikel aus der Odenwälder Zeitung vom 8. Juli 2008 von S. Backfisch:
Jubiläum: Das "Deutsche Haus" ist seit 70 Jahren im Besitz der Familie Schwebel und wurde kurz nach der Erbauung zur Schankwirtschaft
Seit 175 Jahren ziert das Gasthaus "Deutsches Haus" das Ortsbild in Siedelsbrunn. Von Beginn an läuft der Schankbetrieb mit lediglich kurzen Unterbrechungen. Seit mehr als 70 Jahren ist es zudem im Besitz der Familie Schwebel.
Es ist das älteste Gasthaus in Siedelsbrunn. Nachweislich stand das Gasthaus an der damaligen Hauptstraße. Der Verlauf der Hauptstraße in Siedelsbrunn erfolgte entlang der heutigen Brunnenstraße zum Mühlweg über die Obergasse bis zur Forsthausstraße. Es wurde von dem damaligen Bürgermeister und Schullehrer Vetter erbaut.
1838 begann man mit dem Betrieb einer Schankwirtschaft. Schon damals erhielt es seinen heutigen Namen. 1865 verkaufte Vetter den Betrieb an den Bäcker Jakob Jungmann. Der neue Besitzer betrieb in dem Haus neben seiner Gastwirtschaft auch eine Bäckerei. 1889 ging das Anwesen an seinen Bruder Peter Jungmann über, der das Haus 1893 an Leonhard Knopf verpachtete. Dieser betrieb die Wirtschaft und Bäckerei weiter.
Von 1896 bis 1904 ruhte der Schankbetrieb. Danach erwarb dann der Altbürgermeister Johann Röth das Deutsche Haus für seine Kinder Barbara und Karl Peter. Da sie noch nicht volljährig waren, ermächtigte der Vater als Vormund beide zur Führung einer Schankwirtschaft. Nach Röth wechselte das Gasthaus oft den Besitzer.
Aufschwung durch neuen Besitzer
Als dann Adam Jöst aus Mackenheim 1922 das Deutsche Haus erwarb, setzte eine Aufwärtsentwicklung ein. Schon 1925 baute der neue Besitzer einen Tanzsaal an. 1935 erwarb das Deutsche Haus dann Georg Schwebel, der nach dem Krieg Bürgermeister in Siedelsbrunn wurde. 1951 übergab er das Gasthaus an seinen Sohn Fritz Schwebel, der den Betrieb bis 1988 führte. Nach zwanzigjähriger Pause erweckte dessen Sohn Gerd Schwebel das Gasthaus in nunmehr dritter Generation 2008 wieder zum Leben.
Das Haus ist schon immer ein Dreh- und Angelpunkt des kulturellen Lebens in Siedelsbrunn gewesen. Ab 1922 war es Vereinslokal des TV02 Siedelsbrunn. Nach dem Zweiten Weltkrieg auch des MGV Harmonie. Bereits vor dem Krieg haben die Theaterabende des MGV Harmonie und des TV02 Siedelsbrunn dort stattgefunden. Auch die Kerwe fand dort statt. Bis Mitte der Achtziger Jahre befand sich der Mittelpunkt der Kerwe in der Obergasse um das Deutsche Haus. Die Schausteller hatten ihre Stände dort zu stehen.
Zudem ist die Idee des "Siedelsbrunner Borschtebuch" dort Anfang der Siebziger Jahre durch die Dorfjugend entstanden.
Das Gasthaus war darüber hinaus der Haupttreffpunkt der Siedelsbrunner Jugend. Einer der ersten Fernseher nach dem Krieg in Siedelsbrunn befand sich zur damaligen Zeit im Deutschen Haus. So fanden zahlreiche Fernsehübertragungen in der Wirtschaft statt. Neben Großereignissen wie der Fußballweltmeisterschaft oder der Fastnacht "Von Mainz wie es singt und lacht" gingen Familien am Samstagabend zum Fernsehschauen in das Gasthaus.
Heute wird der Betrieb von Gerd Schwebel und seiner Frau Rita geführt. Das heutige Gasthaus knüpft nahtlos an die lange Tradition an. Es ist immer noch ein Treffpunkt in angenehmer Atmosphäre. Neben Ausschank und Bewirtung im gemütlichen Rahmen, bieten Fußballkicker, Billardtische und Dartspiele zahlreiche Möglichkeiten zur Unterhaltung.